Das Gelände der Kläranlage Dresden-Kaditz befindet sich auf einer Fläche von 44 Hektar beiderseits der Autobahn A9 auf Kaditzer Flur unmittelbar an der Elbe (Scharfenberger Str.152, 01139 Dresden). Der Architekt und Stadtbaurat Prof. Hans Erlwein (1872-1914) konzipierte die Hochbauten der Kläranlage. Der Leiter des städtischen Tiefbauamtes Oberbaurat Hermann Klette (1847-1909) entwarf die Dresdner Kanalisation und die Tiefbauten in Kaditz. Seit 1989 stehen die Erlweinbauten unter Denkmalschutz.
Der Bau des Kanalnetzes begann aber bereits um 1830. Es ist allerdings beeindruckend, dass die bereits vor 120 Jahren der Planung zugrunde gelegten Werte auch heute noch Gültigkeit haben. Deshalb besteht die Hälfte des Kanalnetzes noch aus alten Kanälen.

In der Kaditzer Kläranlage wird nicht nur das häusliche, industrielle und gewerbliche Schmutzwasser, sondern auch ein Teil des anfallenden Regenwassers der Stadt Dresden behandelt. Heute (2000) führen 1525 km Kanalnetz das Abwasser von Dresden, Freital, Kreischa, Bannewitz, Radebeul Ost und einiger weiterer Umlandgemeinden der Anlage im freien Gefälle zu.
Die Kläranlage ist heute ein kommunaler Eigenbetrieb, es wird aber durch die Stadtverwaltung geprüft, ob eine Privatisierung Geld in die Stadtkasse spülen würde.
Durch ein Leasinggeschäft 1999 floss der Stadtentwässerung ein Gewinn von 19,62 Mill. DM zu. Die Kläranlage und ein Teil des Kanalnetzes wurden an amerikanische Banken verkauft und zugleich zurückgemietet. Bei dem Deal werden Abschreibungsgelder frei, die die amerikanische Seite steuerlich geltend machen kann.

Neben der Behandlung des Abwassers zur Einhaltung der behördlich festgelegten Einleitungsgrenzwerte wird in Kaditz auch die Behandlung und Entsorgung des auf der Kläranlage anfallenden Schlammes, Sandfanggutes und Rechengutes durchgeführt.

Baustelle biologische Abwasserbehandlung (2004)Absetzbeckenrechts das Grobrechenhaus - ein Erlweinscher Bau, links die FaultürmeRekonstruiertes Gebäude der Betriebsleitung

Link Landeshauptstadt Dresden - Kläranlage Kaditz

 

Chronik

1874 Stadt Dresden beschließt Neuordnung der veralteten Kanalisation, Grundlage für Einführung der Schwemmkanalisation, Kanäle führten direkt in die Elbe
1875 Dresden hat 200000 Einwohner, 7500 Häuser, bereits 300 Wasserklosetts vorhanden
1910

Am 15. Juli geht eine der modernsten mechanischen Kläranlagen Europas mit Grobrechenanlage, Siebscheiben Marke Riensch und einem Pumpwerk in Betrieb, das Kanalnetz ist bereits 433 km lang
1936 Errichtung des ersten Faulturmes zur Klärschlammbehandlung mit Faulgasgewinnung
1952-56 Umbau, Sanierung und Erweiterung zu einer klassischen mechanischen Kläranlage, Ersatz der Siebscheibenanlage durch rechteckige Absetzbecken, Bau eines zweiten Faulturmes
1986 Beginn der Rekonstruktion und Erweiterung zur vollbiologischen Abwasserbehandlungsanlage für Dresden, Freital und das Arzneimittelwerk Dresden
1987 Havarie - die Anlage geht außer Betrieb und die Abwässer gelangen 4 Jahre ungereinigt durch Grundablässe des Kanalnetzes in die Elbe
1990 Sanierung und Neubauten, Überarbeitung der Schlammbehandlungstechnologie
1991 Inbetriebnahme der rekonstruierten und erweiterten mechanischen Abwasserbehandlung und einer Teilkapazität der biologischen Abwasserbehandlung
1993 Fertigstellung aller Becken der biologischen Stufe: neben der vollen mechanischen wird eine ca. 90%ige biologischen Klärung erreicht
1994 Anlage zur Phosphatreduzierung auf chemischen Weg, Beginn der Inbetriebnahme einer neuen Anlage zur Klärschlammbehandlung
1994-98 Technologische Optimierungsmaßnahmen
2001 Inbetriebnahme einer 2,2kW-Solarstromanlage, weiterer Ausbau bis zu einer Gesamtfläche von 1.928 m2, es soll größte Fotovoltaikanlage Sachsens entstehen.
2002 Zum Tag des Wassers am 22.3.02 erfolgt Baustart für neues Regenüberlaufbecken
August
2002
13 Tage flossen Dresdens Abwässer wegen des Jahrhunderthochwassers ungeklärt in die Elbe. Alle Gebäude und Anlagen waren kniehoch überflutet. Drei Tagen nach Zugängigkeit des Geländes konnte schon wieder die mechanische Klärung in Betrieb genommen werden. Nach 13 Tagen funktionierte auch die biologische Abwasserbehandlung wieder.
Mai 2004 Die größte Solaranlage Dresdens geht nach fünfmonatiger Bauzeit auf dem Neubau des Regenüberlaufbeckens in Betrieb. Ein Fläche von 1444m² liefert bei voller Sonneneinstrahlung 190kW.
bis 2005 weiterer Ausbau der Anlage, besonders zur Stickstoffelimination und Biogasgewinnung, Bau eines Regenüberlaufbeckens, Kosten weitere 270 Mill. DM>
2005 Einweihung des Neubaus der biologischen Reinigung
2006 Inbetriebnahme der vorgeschalteten Denitrifikation (In der biologischen Abwasserbehandlung die Reduktion der Nitrate zu freiem Sauerstoff)
2008 Baustart für die Klärschlammbehandlung (Faulungsanlage)
2011 Fertigstellung der künftigen Faulungsanlage mit zwei 35 Meter hohe Faultürmen in so genannter Ei-Form mit einem Fassungsvermögen von je 10.500 Kubikmetern, ein Erschließungs- und Aufzugsturm mit zirka 40 Metern Höhe, ein Gasbehälter mit 5.000 Kubikmetern Inhalt und eine Klärgasreinigungs- und -verdichtungsanlage. Gesamtkosten ca. 38 Millionen Euro.

 

Quelle: u.a. "Kläranlage Dresden-Kaditz", Herausgeber Landeshauptstadt Dresden, Stadtentwässerung