... niedergeschrieben von Schulleiter Mehner in der Schulchronik der 42. Volksschule

Von der Bevölkerung
Viele Einwohner litten sehr unter der Kälte wegen des großen Mangels an ausreichenden Heizstoffen. Rohkohle und Schwelkoks erzeugten zu wenig Kalorien. Viele holten sich Holz aus den angrenzenden Wäldchen. Diese wurden stellenweise arg geplündert. Den meisten Armen fehlte ordentliche Kleidung und festes Schuhwerk.
Bei den Wahlen zum Volksentscheid, Stadtparlament und Landtag erhielt die SPD in unserem Vorort eine beachtliche Mehrheit.
Eine große Sterblichkeit setzte besonders unter den alten Leuten ein, weil die Lebensmittelkarte für Sonstige entschieden zu wenig Kalorien bot. Viele starben an Hungersnöten.
Dass der Lebensstandard viel zu niedrig war, mögen die Tagesrationen einer Arbeiterkarte verdeutlichen:

Brot 400g, Nährmittel 35g, Zucker 20g, Fleisch 40g, Fett 15g, Marmelade 30g

Schwer- und Schwerstarbeiter erhielten entsprechend mehr, Angestellte, Kinder und Sonstige weniger.

Vom Ort Übigau
Die Straßenbahn fuhr nicht mehr bis in die Stadt, sondern pendelte nur bis zum Straßenbahnhof (Mickten).
Elektrischer Strom und Gas wurden tageweise gesperrt. Die lichtlosen Abende vergingen schrecklich langsam.
Da es meist an Baumaterialien fehlte, ging das Instandsetzen der Häuser nur ganz allmählich vor sich. Ausgebrannte Häuser durften nur bis zum 1. Stock aufgebaut werden.
In der Notzeit nahmen Diebstähle recht überhand, gestohlen wurden Hühner, Gänse, Kaninchen, Schweine, Vorräte aus Kellern, Holz, Kohlen, Gartenzäune, Wäsche und Kleidungsstücke.

Von den Russen
Trotz der Wohnungsnot hielten die Russen die Beschlagnahme einer Anzahl Grundstücke aufrecht, zum Glück verringerten sich die Fälle von Plünderungen. Auch fingen sie an, in den Häusern auf Ordnung zu halten. Die Zahl der Russen verringerte sich im Straßenbild, nur vereinzelt sind noch Überfälle auf Deutsche bekannt geworden. Die Kaserne war weiter mit russischem Militär belegt.