Zingg, Adrian  Maler und Kupferstecher, geb. 24.04.1734 in St. Gallen, gest. 26.05.1816 in Leipzig

Adrian Zingg

Der Schlosspark von Pillnitz (um 1785-1795)
Ansicht von Dresden (1798)
Burg Rauenstein gesehen vom Flussrand (1800)

Adrian Zingg wurde als Sohn des Büchsenmachers Bartholomäus Zingg 1734 in der Schweiz geboren. 1753 bis
1757 war er Schüler von Rudolf Holzhalb in Zürich. Seine Studien schloss er bei Ludwig Aberli in Bern ab, dessen zarte und malerische Auffassung er sich zu eigen machte. 1759 reiste er mit Aberli nach Paris, wo er Johann Georg Wille kennen lernte. In Willes Haus wurde er gastfreundlich aufgenommen und lernte viele namhafte Persönlichkeiten kennen, darunter die Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert und Franz Edmund Weirotter. In Paris hielt er sich bis zum Jahre 1766 auf. Mit Johann Georg Wille unternahm er alljährlich Studienausflüge in die Umgebung von Paris, in die Normandie und Pikardie, wobei er von ihm die saubere Wiedergabe Adrian Zinggdes Helldunkels erlernte.
Durch seine in Kupfer gearbeiteten Stiche wurde er in Leipzig bekannt. Weißes "Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste" wies auf seine Arbeiten schon 1763 hin. Nach 2-jährigem Aufschub, um in Paris angefangene Arbeiten abzuschließen, wurde er 1766 als Lehrer für Kupferstich und Landschaftszeichnung an die Dresdner Kunstakademie berufen. 1769 ernannte ihn die K. K. Akademie in Wien,
1787 die Königlich Preußische Akademie in Berlin zu ihrem auswärtigen Mitglied.
1803 wurde er Professor in Dresden. Hier fand er mit Christian Wilhelm Ernst Dietrich (Dietricy) und seinem Landsmann Anton Graff Freunde. 1766 wanderte er zu Fuß durch das Elbgebirge, von ihnen später die "Sächsische Schweiz" genannt. Er hatte die Erlaubnis, alle sächsischen Orte, ausgenommen die Festung Königstein, zu zeichnen. Auf diesen Studienwanderungen hat er alle wesentlichen Teile Sachsens berührt. Er war der Lehrer Carl August Richters, des Vaters von Adrian Ludwig Richter. Im 18. Jahrhundert war die Landschaftsmalerei, die Landschaftsgraphik noch stärker formalisiert, reglementiert, "akademisiert". "Wir lagen in den Banden einer toten Manier, wie alle Zinggianer" schreibt Ludwig Richter in seinen Lebenserinnerungen, "wir waren in einem Wust von Formeln derartig eingeschult, dass ein lebendiges Naturgefühl, die wahre einfache Anschauung und Auffassung der Dinge sich gar nicht regen konnte". Das war der Protest der jungen Romantikergeneration gegen jeglichen Regelzwang des 18. Jahrhunderts. 50 Jahre früher war Zingg mit seinen Arbeiten durchaus progressiv. Er gilt als der Entdecker der sächsischen Landschaft, die er in vielen gezeichneten, getuschten, kolorierten und gestochenen Blättern schilderte. Daher gehört er zu den Urvätern der Dresdner Romantik, aus vielen seiner Blätter spricht die Begeisterung für die Großartigkeit und Schönheit dieser Landschaft.
Mit seinen Arbeiten ist er in u. a. in den Dresdner Sammlungen und der Wiener Albertina vertreten.


Literatur
Thieme/Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler, Band 36 (Seiten 521 - 523)
H. J. Neidhardt, Die Malerei der Romantik in Dresden (Seiten 14 - 18, 20, 61, 127, 376, Abb. 1)
H. Börsch-Supan, Die Deutsche Malerei von Anton Graff bis Hans von Marees 1760 - 1870 (Seiten 26, 33, 66, 122, 126, 127, 364)
Bénézit, Dictionnaire des Peintres, Sculpteurs, Dessinateurs et Graveurs, Band 14 (Seite 911)